Medien- und Politikinfo 16.12.2025

Flughafen stellt tatsächlich Erweiterungsantrag erneut

Bereits 2015 wollte der Flughafens Düsseldorf seine Betriebsgenehmigung erweitern lassen. Diesen sinnlosen Antrag haben die Bürger gegen Fluglärm zusammen mit weiteren Bürgerinitiativen und einem Bündnis der umliegenden Städte bisher erfolgreich verhindert. Mit insgesamt über 50.000 Einwendungen und detaillierten Stellungnahmen haben sie gezeigt, dass eine Erweiterung nicht notwendig, der Antrag lücken- und fehlerhaft und für die Anwohner unzumutbar ist. Weder eine rot-grüne noch eine schwarz-gelbe oder schwarz-grüne Landesregierung haben sich getraut, die Genehmigung zu erteilen.

Jetzt hat der Flughafen den Antrag neu gestellt, mit einem einzigen Unterschied: Die aktuellen Genehmigung hat für die 6 verkehrsreichsten Monate einen Deckel von 131.000 Flugbewegungen, der sollte ursprünglich entfallen und ist nun wieder drin.

Alle anderen Punkte, insbesondere die Erhöhung der Stundeneckwerte auf bis zu 60 Starts und Landungen pro Stunde (bisher 47) soll bleiben, und die festen, vorab zu definierenden Stunden, in denen die zweite Landebahn mitgenutzt werden kann, soll nach wie vor flexibilisiert werden. Auch die unzumutbaren Nachtflüge sollen nicht reduziert werden. Soll das das Weihnachtsgeschenk des Flughafens an Hunderttausende lärm- und abgasgeplagte Anwohner sein?

Das Zugeständnis des Deckels von 131.000 Flugbewegungen in den 6 verkehrsreichsten Monaten fiel dem Flughafen leicht: Die Zahlen erreicht er in den nächsten Jahren ohnehin nicht. Im Jahr 2025 kam er in diesem Zeitraum auf 94.500, übrigens noch rd. 25% weniger als vor Corona. Da neben dem innerdeutschen Verkehr der Geschäftsreiseverkehr insgesamt stark zurückgegangen ist, werden die Vor-Corona-Zahlen auch in den nächsten Jahren nicht erreicht werden. Damit wird auch das Argument ad absurdum geführt, dass die Erweiterung für die NRW-Wirtschaft wichtig wäre.

Was der Flughafen aber haben möchte, sind höhere Stundeneckwerte, damit noch mehr Touristenflüge am frühen Morgen und am späten Abend abgewickelt werden können. Schon jetzt sind das die einzigen Zeiten, in denen bald das Vor-Corona-Niveau wieder erreicht werden kann. Aber 60 Starts und Landungen sind selbst auf beiden Landebahnen nicht sicher abzuwickeln, das schaffen weder die Bahnen noch der Luftraum, geschweige denn die Abfertigung. Daher ist auch die Flexibilisierung für den Flughafen so wichtig, damit aufgestaute Flugbewegungen wenigstens in Folgestunden abgebaut werden können.

Hierzu Christoph Lange, Vorsitzender der Bürger gegen Fluglärm: „Es wird immer unbegreiflicher, warum der Antrag nicht längst abgelehnt wurde, ein Bedarf ist nicht einmal in Ansätzen erkennbar. Wir sind gespannt, wie der Flughafen die Erweiterung begründet. Schwierig ist und bleibt, dass die Zahl der Nachtflüge fast auf dem viel zu hohen Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019 bleibt. Verspätete Landungen nach 23:30 Uhr sind sogar um 15% angestiegen, trotz des um -25% geringeren Gesamtverkehrs. Das ist auch eine Folge der noch größeren Konzentration auf den reinen Urlaubsverkehr. Vergleiche mit Vorjahren sind dabei nicht aussagekräftig, wenn man es lediglich schafft, damalige Rekordwerte etwas zu reduzieren.

Dies zeigt, dass Verkehrsminister Oliver Krischer (B90/Grüne) an beiden Fronten handeln muss: der Planfeststellungsantrag gehört schnellstmöglich abgelehnt, das Städtebündnis, die Initiativen und rd. 50.000 Einwender haben 10 lange Jahre mit großem Einsatz und enormen Kosten gekämpft. Und dazu müssen endlich klare Regeln für die verspäteten Starts und Landungen kommen. Obendrein sind 33 planbare Landungen 22-23 Uhr zu viel, auch hier besteht kein Bedarf. Dieser Fehler der Genehmigung 2005, der klar gegen den §29b des Luft-Verkehrsgesetzes verstößt, muss ebenfalls schnellstmöglich korrigiert werden.“

Es bleibt zu fragen, warum sich die Geschäftsführung des Flughafens so vehement dagegen wehrt, die Regeln für Nachtflüge zu verschärfen? Will man den Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Flughäfen behalten? Fürchtet man, dass Airlines bei klareren Regeln tatsächlich abwandern könnten? Dies ist wenig wahrscheinlich. Die Mär, dass die Nachtflugbestimmungen in Düsseldorf „zu den restriktivsten in Deutschland und Europa gehören“, wird durch ständige Wiederholung nicht richtiger. Am dreimal größeren Flughafen Frankfurt gibt es z.B. ein Kontingent für verspätete Landungen nach 23 Uhr – in Düsseldorf ist die Zahl nicht beschränkt. Am vergleichbaren Flughafen Hamburg muss die Unvermeidbarkeit bei Verspätungen nachgewiesen werden – in Düsseldorf fragt für die meisten Flüge bis 24 Uhr niemand nach. Starts nach 22 Uhr und Landungen nach 23 Uhr wären grundsätzlich ja weiterhin möglich, nur halt mit einer Ausnahme-Genehmigung der Luftaufsicht. Hat eine Airline eine nachvollziehbare Begründung, erhält sie die Ausnahmegenehmigung, wenn nicht, wird sie mit hoher erzieherischer Wirkung versagt, da die Airlines die Mehrkosten einer Umleitung fürchten.

Lange: „Die verzweifelte Gegenwehr gegen längst Überfälliges erinnert an das Geschrei der Luftverkehrs-Lobby, nachdem der weit größere Flughafen Frankfurt, der zuvor überhaupt keine Beschränkungen in der Nacht hatte, für die 6 Stunden zwischen 23 und 5 Uhr genau diese Ausnahmegenehmigungen eingeführt hat. Lufthansa Cargo stand angeblich kurz vor dem Ruin, das Lamento war groß. Nach einem Jahr Sturm im Wasserglas war alles vorbei. Wir fordern für den Düsseldorfer Flughafen doch nur den Entfall der Hintertürchen für verspätete Starts und ein Vorziehen der Verspätungsregeln für die Landungen um eine Stunde.

Außerdem kann es nicht sein, dass die Stunde 22-23 Uhr für Anwohner unter dem Landeanflug die lauteste Stunde des gesamten Tages ist, ein krasser Verstoß gegen die höchstrichterliche Rechtsprechung, nach der es nach 22 Uhr deutlich leiser werden muss. Über Jahrzehnte wurden wir vertröstet, dass nur mit einem Planfeststellungsbeschluss diese Verschärfungen möglich sein. Nun haben wir seit 2015 einen Antrag, wir haben ein Verfahren, also was hindert die Genehmigungsbehörde, die Beschlüsse der Fluglärmkommission endlich umzusetzen?“ NICHTS!

Original-Pressemitteilung des Flughafens: https://www.dus.com/de-de/konzern/presse/medieninformationen/anpassung-planfeststellungsverfahren