Medien- und Politikinfo 16.02.2020

Durch klammheimlich veränderte Startverfahren mehr Lärm erzeugt

Ein Artikel des Branchen-Magazins „Airliners“ mit einem Interview des Lärmschutz-Chefs der Berliner Flughäfen Kai Johannsen enthüllt:  Das von den Airlines auch in Düsseldorf klammheimlich eingeführte Flachstartverfahren macht mehr Lärm als nötig. Die Mehrkosten eines steileren Starts (NADP1, so wie von der Fluglärmkommission auf Antrag der Stadt Meerbusch empfohlen und von der Bundesvereinigung gegen Fluglärm massiv unterstützt) liegen bei unter 30,- € gegenüber dem auch nach Flughafen-Messungen lauteren flacheren Startverfahren NADP2.

In vielen Punkten, insbesondere die dichte Besiedlung in den Einflugschneisen sind die Flughäfen in Berlin (sowohl Tegel als auch Schönefeld) mit dem Düsseldorfer Flughafen vergleichbar.

Die ICAO, die internationale Zivil-Luftfahrts-Organisation, empfiehlt in dichtbesiedelten Gebieten NADP1. Die Mehrkosten durch einen etwas höheren Spritverbrauch können durch eine entsprechende Gebühren-Gestaltung ausgeglichen werden, es können weit wirksamere Anreize als jetzt gesetzt werden, leiser zu fliegen. Man muss es nur wollen…

Der Flughafen Berlin ist seit 2010 technisch in der Lage, die Gebühren nach dem tatsächlich verursachten Fluglärm zu berechnen.

Das gesamte Interview können Sie hier lesen: https://www.airliners.de/neue-laermentgelte-ber-interview/53348

Christoph Lange, Vorsitzender der Bürger gegen Fluglärm und Vertreter der Bundesvereinigung in der Fluglärmkommission, fragt:

  • Wie konnten es die Behörden zulassen, dass ohne Information der Fluglärmkommission und der Betroffenen in Düsseldorf ein flacheres Startverfahren einfach eingeführt werden konnte?
  • Warum wird der Lärm immer nur berechnet, aber nicht aktuell gemessen? Warum werden die vom Flughafen selbst ermittelten Werte überprüfungslos geglaubt, aber kein Abgleich zwischen den theoretischen Berechnungen und den tatsächlichen Werten vorgenommen?
  • Warum wird es in Düsseldorf-Nord, Meerbusch, aber auch Ratingen, Essen und Kaarst immer lauter? Warum ist es selbst in Büderich und Ratingen lauter als an den lautesten Messstellen am dreimal größeren Flughafen Frankfurt? Warum profitieren die geplagten Anwohner nicht von technischen Verbesserungen? Warum werden diese möglichen Verbesserungen (z.B. die sog. „Heuler“ des A320, siehe http://bgf-ev.de/wirbelgeneratoren/) nicht umgesetzt? Warum wird die Umsetzung nicht durch deutlichere Gebührensenkungen honoriert und angeregt? Warum kostet eine Landung nach Mitternacht nur 12,- mehr (siehe Landeentgelte laufen aus)?
  • Warum hat sich die Deutsche Flugsicherung (DFS) lange beharrlich geweigert, den Beschluss der FLK umzusetzen und das Steilstartverfahren NADP1 in das Luftfahrthandbuch einzutragen?
    In diesem Zusammenhang ein Lob für die Beharrlichkeit der Meerbuscher Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage, die immer wieder nachbohrte, warum der Beschluss nicht umgesetzt wird – die Antwort ist ganz einfach: weil nicht alle das gleiche Verfahren (NADP2) fliegen, müssen größere Startabstände eingehalten werden. Dies mindert die heute schon mehr als ausgereizte Kapazität des Flughafens, das will die DFS natürlich nicht, die (bei gleichen Kosten) für mehr Flugbewegungen mehr Geld erhält, also klar interessierte Partei ist.
  • Warum greift Verkehrsminister Hendrik Wüst nicht endlich in seinem eigenen Haus durch? Warum ist das Referat „Umweltschutz im Luftverkehr“ auch hier tatenlos geblieben? Warum hat dieses Referat seit Jahrzehnten keinen einzigen Vorschlag zur Lärmminderung vorgelegt?
  • Warum werden die Umweltfolgen des Luftverkehrs, von Fluglärm über Abgase wie Stickstoff-Dioxid, Ultrafeine Partikel, PFT-Verseuchung in Düsseldorf-Nord bis hin zu weit unterschätzten Klimaschäden nicht objektiv betrachtet? Die Gefährdung der Bevölkerung ist immens. Ermittelt man deshalb nicht vorurteilsfrei und objektiv, auch damit weitere Erhöhungen überhaupt möglich sind?
  • Weil Ryanair, Easyjet, Laudamotion usw. die tollsten „Jobmaschinen“ sind und die berechtigte Nachfrage nach Urlaubs- und Businessflügen nicht auch in Münster, Paderborn oder Weeze befriedigt werden kann? Sind die 40 Flüge pro Tag dort nicht wichtiger als weitere 40 in DUS? Das, was diese Flughäfen an einem Tag schaffen, das ertragen die DUS-Anwohner in einer Stunde!
  • Oder nur weil der Flughafen Düsseldorf aus rein privatwirtschaftlichen Profitinteressen heraus rücksichtsloses Wachstum für sich beansprucht und alle – IHK, Politiker, Teile der Medien und Behörden – munter darauf hereinfallen?