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    WDR 5 Stadtgespräch zum Fluglärm – Eine Nachbereitung: Der Minister ist gefordert

    Einige Aussagen der Radiosendung vom 21.9. dürfen nicht unkommentiert bleiben, sie konnten in der Sendung selbst nicht mehr geklärt werden:

    Fluglärm über 60 dB(A) Dauerschallpegel tagsüber macht krank, er „belästigt“ nicht nur. Dies gilt umso mehr, wenn der infernalische Krach bis in die tiefe Nacht fortgesetzt wird, ohne jeden nachvollziehbaren Grund. Es geht immer nur darum, dass die Airlines noch ein bißchen mehr verdienen möchten, auf dem Rücken der Anwohner, der Passagiere und der Mitarbeiter.

    Hunderte wenn nicht Tausende werden von den vom Flughafen geschickten Gutachtern bzgl. ihrer Schallschutzanträge darauf verwiesen, dass bereits Schallschutzmaßnahmen bezahlt worden seien. Dass die vor 20,30 und mehr Jahren war, die Fenster entweder kaputt sind oder nicht mehr die Schall-Dämmung leisten, wird verschwiegen. Die Menschen wollen sich nicht einmauern lassen, nur damit die Fluggesellschaften noch mehr Profit machen. Und die Passagiere? Die würden mehrheitlich viel lieber um 9 oder 10 Uhr in den Urlaub starten (früher sind die Hotelzimmer eh nicht bezugsfertig), und dann entspannt am frühen (!) Abend heimzukehren (i.d.R. muss man am Urlaubsort um 11 Uhr raus), statt um Mitternacht noch auf die Koffer zu warten.

    Die Betroffenen in Essen, Mülheim, Ratingen und auf der anderen Flughafenseite in Mönchengladbach, Korschenbroich, Kaarst, Meerbusch und Düsseldorf-Lohausen/Stockum wollen v.a. eins: Sie wollen SCHLAFEN, und sie wollen nicht krank werden durch Lärm und Abgase.

    Ein erster Schritt wäre, die Ausnahmetatbestände der Nachtflugbestimmungen zu verschärfen: Warum soll nicht jeder, der nach 22 Uhr starten und nach 23 Uhr landen will, die Luftaufsicht fragen müssen? Warum nicht? Was sagt der Flughafen? Die Airlines wollten „Planungssicherheit“. Und: der Aufwand für Ausnahmeanträge (jetzt erst ab Mitternacht) sei hoch. Genau das ist das Problem, die Zusage, bis Mitternacht landen zu dürfen, OHNE jemanden fragen zu müssen, verführt dazu, so zu planen, dass es eben viel zu oft nicht klappt, wie es die Genehmigung vorsieht. Planungssicherheit haben sie auch, wenn sie vor 23 Uhr landen müssen, und der Aufwand für Ausnahmeanträge kann im Vergleich zu den erhöhten Landegebühren und den Kosten für eine Umleitung gar nicht so hoch sein. Auch die erhöhten Landegebühren in der späteren Nacht scheinen sich ja zu rechnen, so dass weiterhin Verspätungen mindestens billigend in Kauf genommen werden.

    Die Fakten: Die Landungen NACH 23 Uhr:

    Juni 2023 (zum Vergleich 2019):     193 (248)

    Juli 2023 (2019):                             239 (199)

    Aug. 2023 (2019):                           201 (207)

    Sept. (bis 20.) 2023 (2019):            111 (112)

    Summe:                                           744 (767)

    Am schlimmsten war es im reinen Ferienmonat Juli, und zwar nicht wegen Wetter usw., denn es kamen nahezu jeden Tag Flüge zu spät, sondern weil dort die Airlines die Planungen ausgereizt haben bis zum geht nicht mehr. 744 „ausnahmsweise“ Verspätungen nach 23 Uhr, das macht fast 7 Störungen der Nachtruhe, wohlgemerkt pro Nacht und durchschnittlich. In lediglich 3 Nächten war wirklich um 23 Uhr Ruhe.

    Die Nachtflüge nach 23 Uhr sind fast genauso hoch wie in dem Vor-Corona-Jahr 2019, obwohl die Gesamtanzahl der Flüge in diesem Sommer noch 27% niedriger lag. Auch wenn der Flughafen den Rückgang gegenüber dem letzten Jahr feiert – wir erinnern uns: Chaos-Sommer und Abfertigungs-Chaos – so sind die Nachtflüge selbst noch längst nicht im Griff. Im Gegenteil.

    Wir prognostizieren für die Herbstferien, insbesondere zu Beginn und am Ende, ähnlich schlimme Situationen wie im Sommer.

    Und was sagt Umwelt- und Verkehrsminister Oliver Krischer (B90/Grüne)?: „Unsere Überprüfungen wirken, die späten Landungen gehen zurück“ und „wir sind auf einem erfolgreichen Weg“. Er wurde in der Sendung nur mit O-Ton eingespielt, ein Vertreter des Ministeriums war leider nicht vor Ort, um die drängensten Fragen zu beantworten.

    Woher er diese Weisheiten wohl hat? Sicherlich von „seiner“ sehr sehr flughafenfreundlichen Fachabteilung, dem völlig überflüssigen, weil absolut untätigen Referat „Umweltschutz im Luftverkehr“. Herr Minister, die Fakten sprechen eine deutlich andere Sprache, es wird immer schlimmer und die Gegen-„Argumente“, warum die Ehrlichen nicht fragen sollen, die stechen nicht. Ganz einfach: um die Unehrlichen zu erwischen und endlich eine merkbare Verbesserung der Situation herbeizuführen. Der Flughafen hat die Lärmzuschläge erhöht, aber die paar Euro pro Passagier reichen offenbar nicht aus. Das Geld wandert nicht in den Lärmschutztopf, und auf die neue Lärmschutzhalle für die nächtlichen Triebwerksprobeläufe warten die Anwohner des Düsseldorfer Nordens, die zusätzlich in der tiefen Nacht aus dem Schlaf gerissen werden, weil die alte Lärmschutzhalle zu klein und zudem offen (!) ist, seit Jahrzehnten.

    Herr Minister, es genügt nicht, die Phrasen der Amtsvorgänger nachzubeten, es muss gehandelt werden, und die vor der Planungskonferenz für den Sommer 2024, die im November stattfindet. Was unternehmen Sie, wenn die Herbstferien wieder genauso schlimm werden?

    Im 15-Monate-Zeugnis für den Minister steht:

    „nicht ausreichende Leistungen gefährden unsere Gesundheit, die unserer Kinder und Enkel – und Ihre Wiederwahl“

    Weitere Informationen: https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/stadtgespraech/fluglaerm-nachtruhe-100.html

    Die Sendung zum Nachhören in der Mediathek: https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-stadtgespraech/stadtgespraech-158.html

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